Integrationshilfe Gilching


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Vorwort

Unser Schuljahr

Gekochte Vielfalt


Begonnen hat bei uns die kulinarische Öffnung mit einem Kochgeschirr voll Sauerkrautsuppe, die uns Kindern 1945 in Berlin russische Soldaten schenkten. Mutter befand die Suppe als schmackhaft, war beeindruckt von der Verwendung eines Lorbeerblattes und kochte die Suppe alsbald nach. Inzwischen legen wir unser Kraut selber ein, mit Möhrenschnitzeln vermengt, so wie man es auf russischen Märkten kaufen kann. Das Kraut dazu, ein spezielles „Einschneidkraut“, kaufen wir beim Ökobauern. Die spätere intensive Beschäftigung mit Russland hat weitere russische Rezepte ins Familienbewusstsein gerückt. Erwähnt sei die Okroschka, eine kalte Gurkensuppe für heiße Tage, und die köstliche Paßcha, die bei keinem Osterfest und bei keiner Kindstaufe fehlen darf.

Aus unserer weiteren Berliner Zeit sind keine ausländischen Einflüsse auf unsere Ernährung in Erinnerung geblieben. Auch die Fahrradtour 1951 bis nach Neapel und Pompei brachte keine kulinarischen Erkenntnisse. Wir, mein Freund und ich, hatten massenhaft Erbswurst und einen Spirituskocher dabei; eine geklaute Melone entpuppte sich als Kürbis und „aceto puro vino“ erwies sich nicht als reiner Wein, sondern als reiner Essig. Immerhin, der Fehlkauf ließ sich korrigieren und in zwei Feldflaschen voll Rotwein umwandeln. Mei war uns schlecht …

In Gilching fanden wir 1968 drei Wirtschaften mit bairischer Küche vor, am besten fanden wir den Argelsrieder Wirt. Besuche dort waren auch deshalb interessant, weil am Stammtisch immer ein paar Gemeinderäte um Bürgermeister Dobmeier zu beobachten waren. Sicher ein Beitrag zu unserer Integration in Bayern, ebenso wie der jährlich im Fasching beim Oberen Wirt stattfindende „Ball der schwarzen Seelen“, den auch besuchen durfte, wer kein CSU-Parteibuch vorweisen konnte.

Exotik brach an, als Hans und Steffi Picher 1973 ihre Pizzeria eröffneten. Bürgermeister Will war hier bald Stammgast und die Gemeinderäte trafen sich bei den Pichers gern zur Nachsitzung. Für eine Pizza wie die ihre musste man damals und muss man heute noch, hier wie in Italien, weit laufen. Ein Highlight war auch die zuppa romana, eine Torte mit Sauerkirschen und reichlich Kirschwasser. Schade, kaum waren 30 Jahre vorbei, haben sie schon wieder zugemacht. Hier ist wohl auch unser Interesse an der italienischen Küche erwacht. Wir mögen besonders die antipasti: peperonata, melanzane, funghi marinati, verdure grigliate … Als ein russischer Besucher unerwartet vor der Türe stand, tischten wir ihm vom Vortag übrig gebliebene Vorspeisen auf, die ihm sichtlich schmeckten. Er zog mich zur Seite und fragte, woher meine Frau denn so gut georgisch kochen könne; vermutete in ihr wohl eine verkappte Georgierin. So schnell wird man international.

Heute haben wir in Gilching eine Vielfalt ausländischer Restaurants und Köche, die sich bei uns integriert haben und die Speisen ihrer Länder anbieten: zwei Italiener und Kroaten, ein Grieche, Inder, Chinese, Thai … und es scheinen viele Gilchinger zu sein, die sich auf die hinzugewonnene Vielfalt einlassen und Freude daran haben.

Geht doch! Und vielleicht gibt’s ja bald auch einen Syrer oder Eritreer, die uns verwöhnen möchten. Mit ihren Speisen lässt sich unendlich viel über Länder lernen.

Was ich zeigen wollte: Auch die Küche trägt zur Integration bei und wir lernen daraus: Nicht nur Liebe, auch Integration geht durch den Magen! Hoffen wir und tun wir alles dafür, dass Integration auch in anderer Hinsicht gelingt. Wir leisten, denke ich, mit unserer Arbeit einen guten Beitrag.

Dieter Ebbinghaus





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